Wir nehmen Abschied von unseren immer liebenden Ehemann, Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater Herrn Anton Oberkandler, geb. am 10.April 1920 in Kühlsöd bei Haag in Oberbayern.
Anton Oberkandler wurde als Sohn einer rechtschaffenden, bürgerlichen Bauernfamilie mit
14 Geschwister in Kühlsöd geboren. Bereits in jungen Jahren wurde ihm die Arbeit in den Schoß gelegt.
Von seinem geliebten Beruf als Maurer erzählte er uns gerne. Auch wie er früher auf der Baustelle Zementsäcke bis in die hohen Stockwerke schleppen musste, da die technischen Voraussetzungen wie heute, nicht gegeben waren. Ihm war keine Arbeit zuviel und für andere stand er immer hilfsbereit zur Seite. Ich glaube von einigen Anwesenden hier, sind zu Hause noch Werke seiner Arbeit zu sehen.
Während des 2. Weltkrieges wurde er von der Wehrmacht eingezogen. Oft berichtete er uns von den grausamen Gegebenheiten und konnte diese schlimme Zeit kaum vergessen. Als er dann auch oftmals noch mit ansehen musste wie Kameraden durch die Kriegsereignisse verletzt wurden und starben, stand sein Entschluss fest, dieser Staatsmacht den Rücken zu kehren. Er machte sich geradewegs auf dem Weg nach Hause zu seinem Elternhaus. Bereits hier konnte man sein feinsinniges Leben begreifen, indem er Gutes vom Schlechtem eindrucksvoll unterscheiden konnte. Auf diese wahrlich mutige Entscheidung, waren wir stets Stolz auf ihn.
Leider sahen es die damaligen Soldaten anders, sie erwischten ihn und verurteilten ihn zum Tode. Im gelang wie ein Wunder, die Flucht aus dem Gefängnis und er konnte sich in seinem Elternhaus solange verstecken bis, Gott Sei Dank, einige Wochen später der Krieg zu Ende war. Oft erzählte er uns darüber, dass er schon längst tot sein könnte, wenn ihm damals die Flucht nicht gelungen wäre.
1951 traf ihn leider ein Schicksalsschlag, da sein Vater durch einen tragischen Unfall ums Leben kam.
Vom Arbeitsdienst wurde er nach München-Altperlach eingeteilt, wo er dann seine Ehefrau Lore, geb. Seethaler im elterlichen Betrieb kennen und lieben lernte. Im Jahr 1945 heiratete er in der St. Michaels Kirche in Altperlach seine liebe Lore. Mit Ihr war er über 60ig Jahre verheiratet.
1946, als seine Tochter Hildegard das Licht der Welt erblickte, war sein Glück perfekt.
Als er sich 1957 bei der Stadt München aufgrund eines guten Rates seiner Frau bewarb, wurde er sofort eingestellt. Einige Jahre später war dann eine Stelle als Platzwart bei der Stadtreinigung München ausgeschrieben. Sein damaliger Chef Herr Suttner setzte sich sofort für ihn ein, diese Stelle zu bekommen, da er seine Werte erkannte. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß und Ordnungliebend waren für ihn selbstverständlich.
Daraufhin zog er mit seiner Frau Lore und Tochter Hildegard in seine neue Heimat Berg am Laim. Dort hatte er ein kleines Häuschen, einen Hund und einen großen Garten mit ca. 17.000qm. Diesen hegte und pflegte er wie sein Eigenes. Diese neue Heimat wurde dann sein geliebtes Zuhause zusammen mit Frau und Kind. Seine Arbeit wurde von allen geschätzt. Dafür erhielt er 2 Danksagungen von seinem Vorgesetzten und eine vom Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München. Darauf war er immer sehr stolz. Er arbeitete dort bis zu seinem 63igsten Lebensjahr.
Seine Tochter Hildegard brachte 1965 seinen geliebten Enkel Richard zur Welt. Aufgrund damaliger Umstände ist er bei ihm aufgewachsen und wohlerzogen worden. Auch für ihn war er jetzt immer da und erfüllte ihn jeden Wunsch, kein Weg war ihm zu weit, keine Aufgabe zu schwer. Auch seine fürsorgliche Art erinnert uns immer wieder gerne an seine Worte, die er uns oft fragte... ...geht’s Dir gut, oder kann ich dir irgendwo helfen.
Seiner Tochter und seinem Enkel brachte er Werte bei, die diese auch heute noch gerne weitergeben. Es war für ihn nicht wichtig Reichtümer zu besitzen, sondern ein Reichtum an Liebe an uns weiterzugeben. Schulden zu machen, war für ihn ein Fremdwort, wenn er etwas kaufte, dann nur, wenn der das Geld weggespart hatte. Seine Leidenschaft war das Schafkopf-Kartenspielen, dass ihn bis ins hohe Alter erfreute. Der von ihm selbst angesetzte Nußschnaps war überall beliebt und half uns oft, unsere Magenschmerzen zu beheben.
Mit seinem Rentenbeginn bekamen sie eine Stadtwohnung in Perlach-Süd, in der Sie
10 Jahre wohnten.
1992 haben wir unserem Opa in Putzbrunn ein neues Zuhause ermöglicht, damit die Beiden in der Nähe seiner Familie waren. Dort konnte er noch viele Feste u. a. die Goldene und Diamantene Hochzeit, sowie runde Geburtstage im Kreise seiner Lieben feiern. Das heranwachsen seiner beiden lieben Urenkel Ricarda und Rebecca war für ihn ebenfalls eine große Begeisterung.
Sein geliebtes Gartengrundstück in Putzbrunn war immer eine Freude für ihn. Hier zu arbeiten, pflanzen und zu graben war seine größte Freude. Aufgrund seiner langjährigen Krankheit war es ihm nicht mehr so möglich seinen Garten zu pflegen. Traurig und doch glücklich war er, wenn ihm sein Schwiegersohn Herbert immer seinen Garten in Ordnung hielt. Dennoch sehnte er sich immer wieder gerne zurück an die schöne Zeit mit uns in Berg am Laim
Noch einmal Matthias Claudius Weisheit: Es ist leicht zu verachten, aber verstehen ist viel besser. Ich füge hinzu: Und selbst, wenn wir nicht verstehen, weder ihn in seiner Art noch uns in unserer Art, ob durch klare Trennung, durch distanzierte Nähe, durch Abschottung oder durch Händereichen - dann lasst uns akzeptieren und wenn möglich, verzeihen.
Es kommt nicht darauf an, mit welchem Alter ein Mensch uns verlässt, sondern was er uns bedeutet und gegeben hat. Je mehr er uns bedeutet und gegeben hat, umso mehr vermissen wir ihn.